Zaubern - vom Hobby zum Job

Zirkus ist etwas Feines: Da kommen Menschen zusammen, um zu lachen, Spaß zu haben und zu staunen. Sie staunen über Akrobaten, lachen mit den Clowns und freuen sich an dressierten Tieren. Prinzessinnen tanzen über Seile, bunt bemalte Clowns jonglieren Bälle, Teller und anderes, und Elefanten spielen Ball. Ein Zirkus ist immer ein Erlebnis, vor allem für Kinder. Vieles von dem, was der Zirkus bietet, kann man selbst lernen – Jonglieren, Akrobatik, Pantomime.

Ein bisschen Einrad fahren, ein paar Äpfel zum Jonglieren, und schon stehen alle Kinder im Park um mich herum. Es macht einfach Spaß. Eine Slackline zum Balancieren sieht man neuerdings überall, aber einfaches Jonglieren und Rad fahren (vor allem in der Verbindung) sind selten geworden. Das ist seit langem ein Hobby von mir, noch aus Jugendzeiten. Ob die Devil Sticks, das Diabolo oder ein Trickyoyo, ist egal. Man kann sogar mit den alten Seidenschals von Oma ordentlich Quatsch machen. Aber nichts im Leben ist umsonst. Das Equipment ist teuer, und alles braucht regelmässiges Training ist wichtig, am Besten täglich oder zumindest wöchentlich. Ich habe mein Hobby inzwischen zum Nebenverdienst gemacht. Ich bin mein eigener Chef und freiberuflich für jede Party zu haben. Opas Siebzigster wird zum Brüller, wenn ich mit BHs und Spitzenhöschen jongliere (selbstverständlich erst zu jugendfreier Zeit), und für die Kinder gibt es Ballontiere, Kinderschminken und Zaubertricks.

Je nach Auftritt und Dauer werde ich zwar ganz gut bezahlt, aber so richtig cool wird es, wenn eine Schule, ein Kindergarten oder ein Ferienlager Kursleiterinnen suchen. Sommer heißt viel Arbeit. Drei Tage jonglieren, jeweils zwei Stunden am Nachmittag, und der nächste Kurzurlaub ist bezahlt. Jedes Festival, jeder Mittelaltermarkt lohnt den Besuch, denn auch wenn man unentgeltlich auftritt, ist es doch Werbung in eigener Sache. Prospekte und Demo-DVD habe ich immer dabei – professionell gedruckt und für Eltern und zahlkräftiges Publikum designt. Zustelldienste sind nicht teuer und sorgen dafür, dass mein Angebot vor allem zu den Weg in die Briefkasten von Schulen, Veranstaltern, Kindergärten etc. findet, und selbstverständlich prangt die Werbung inzwischen auch auf meinem Auto. Logo und Text habe ich selbst entworfen, zusammengebracht hat es die Firma Farbtreu, die den Foliendruck vorgenommen hat.

Benötigtes Equipment: Das meiste, was ich so brauche, habe ich ohnehin zu Hause. Einige Dinge wie Luftballons, Papierblumen für den Zauberkasten und Kinderschminke müssen immer wieder aufgefüllt werden. Die Kostümierung muss stimmen: Ein ZaubererInnen können nicht als Clown angezogen sein, und während ein bunter Clown sich gut beim Kinderschminken macht, ist bei Pantomimen doch eher der schwarz-weiße Pierot angesagt. Auch von behördlicher Seite her wird einiges benötigt. Eine Meldung des Nebenverdienstes ans Finanzamt ist schnell aufgesetzt, Betriebskosten wie Schminke, Material, Kostüme, Fachliteratur, ein kleines Büro (gerne auch die Abstellkammer zu Hause) und das Dienstfahrzeug können steuerlich geltend gemacht werden. Gewerbeschein, Gesundheitszeugnis oder ähnliches braucht man nicht, denn Künstlerberufe sind davon weitgehend befreit. Aber eine berufliche Haftpflichtversicherung wird benötigt - die kostet zum Glück nicht viel, denn Unterhaltungskünstler leben nicht so gefährlich wie Dachdecker oder Taxifahrer. Das ist also alles ganz einfach und kostet nicht viel. Der Arbeitgeber muss über den Nebenverdienst informiert sein, und in manchen Branchen kann es zu einem Interessenkonflikt kommen. Also am Besten vorher mit dem Boss abklären!